Alex Fragstein (Abi 2000)

Lieber Dominique,

Vor ungefähr zwei Jahren ploppte an einem, wie immer stressigen Agenturtag plötzlich eine Email von dir in meinem Postfach auf.

Nach zwanzig Jahren (!) hattest du mich im Internet gefunden und hast mir eine rührende Email geschrieben. Du schriebst mir, wie sehr du dich freust, dass ich etwas aus meinem Leben und meinen Talenten gemacht habe.

Ich mußte sofort allen meinen Kolleg*innen von »Monsieur Imbert« erzählen:
Von deinem besonderen Unterrichtsstil: es flog einem auch schon mal liebevoll ein Schwamm entgegen, wenn man im Unterricht nicht aufmerksam genug war. Von deinem allmorgendlichen »Salut les monstres«, das nach so vielen Jahren immer noch in meinen Ohren klingt. Von den vielen gemeinsamen Exkursionen und deiner Begeisterung für andere Länder und Kulturen, die du uns vermittelt hast. So ging meine erste große Reise nach dem Abi direkt nach Guadeloupe.

Du hast uns nicht nur für die Welt begeistert, du hast uns auch beigebracht Regeln zu hinterfragen, Dinge einfach zu „machen“, Träume zu verwirklichen und das Leben zu genießen.

Du warst nicht nur unser Lehrer, sondern wolltest immer auch unser Freund sein. In den dunkelsten Stunden meiner Jugend warst du für mich da. Sogar als ich die Schule schon verlassen hatte. Du hast uns immer das Gefühl gegeben etwas Besonders für dich zu sein.

Vor einem Jahr klingelte in meinem Büro das Telefon. »Bonjour Aleeeeexeeee« Du musstest dich nicht vorstellen, ich wußte auch nach über 20 Jahren wer diese charmante Stimme am anderen Ende der Leitung war. Dominique! Wir hatten uns im vorangegangenen Jahr einige Emails geschrieben. Und jetzt riefst du an, weil du eine Bitte hattest. Du hast dir Sorgen gemacht um eine Schülerin, die gerade Abi gemacht hat und nach Berlin gezogen ist. »Vielleicht triffst du dich mal mit ihr?« hast du gefragt. »Sie ist was Besonderes, weißt du – du wirst dich mit ihr verstehen«.

Natürlich hab ich mir Gedanken gemacht – will sie das denn wirklich auch? Ich bin über zwanzig Jahre älter als sie, wird das passen? Wir haben uns getroffen und es war wie Dominique vorhergesehen hat direkt eine große Sympathie da.

Lieber Dominique für mich bist du ein Menschenfreund, ein wahrer Humanist.

In deiner letzten Nachricht an mich, das war gerade mal zwei Wochen vor deinem Tod, schriebst du mir als letzten Satz (ich hatte mich mal wieder geärgert, dass mein Französisch über die Jahre nicht besser geworden ist): »it’s alright dear, the language doesn’t matter much… just the feelings, in this case the great feelings in the ever lasting positive memories…Doume«

Ich bin unendlich traurig und kann es nicht fassen, dass du nicht mehr bei uns bist. Das was für immer bleiben wird sind, wie du schreibst, die schönen Erinnerungen und die vielen Spuren, die du bei so vielen Menschen hinterlassen hast. DU warst jemand ganz Besonderes.

Ich wünsche deiner Frau und deinem Sohn viel Kraft und Zuversicht, möge deine Liebe sie durch diese schwere Zeit tragen.

Deine Alex