David Rath (Abi 2000)

Ich habe vor knapp einer Woche von Dominiques Tod erfahren. Auch wenn er und ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten, hat mich die Nachricht zutiefst getroffen — sehr viel tiefer, als ich es 22 Jahre nach meinem Abitur für möglich gehalten hätte.

Ich habe seitdem viel nachgedacht über die Jahre mit Dominique. Mir wurde teils erst in dieser Rückschau bewusst, wie sehr Dominique und die Jahre mit ihm mich und mein Leben im besten Sinne des Wortes geprägt haben. Ich weiß, ich befinde mich mit dieser Feststellung in bester Gesellschaft, aber es gab keinen Lehrer, der mich auch nur annähernd so sehr berührt hat, der so sehr auf mich und auf meine Interessen eingegangen ist wie Dominique.

Ich erinnere mich sehr gut an mein 7. Schuljahr, als ein neuer Lehrer den Bilingualunterricht übernahm. Ein junger Franzose, der von Lehrplänen nichts wissen wollte, der einen völlig neuen Anspruch hatte an Unterricht und das Unterrichten, dem es darum ging unser Interesse zu wecken an Geschichte, an Kultur und Philosophie, an Kunst, Soziologie und Politik, von Voltaire bis zum indischen Kastensystem, kurz an der großen, weiten Welt da draußen. Der uns nicht auf das Erreichen von Lehrplanzielen vorbereitet hat, sondern — auch wenn das nach Plattitüde klingt — auf das Leben. Ausgrabungen in Saint Romain und ein Erleben von Geschichte, das direkter nicht hätte sein können. Austauschfahrt nach Castelnaudary mit einem Dominique, der mir nicht nur einen Teil Frankreichs, sondern der mir seine Heimat und sein Zuhause gezeigt hat.

Es sind diese Erinnerungen und viele mehr, die in der letzten Woche mit ungeahnter Wucht wieder hochkamen und mir bewusst gemacht haben, dass meine bis heute bestehende Liebe zu Geschichte, zu Frankreich und zur französischen Kultur, meine Zeit an der Uni in Aix-en-Provence Jahre später, dass all dies Dinge sind, für die Dominique in den sieben Jahren, in denen er mein Lehrer war, den Samen gesetzt hat. Ein Samen, der meinem Leben ohne Zweifel eine Richtung gegeben hat, die es ohne Dominique nicht genommen hätte.

Ich bin Dominique von ganzem Herzen und zutiefst dankbar für diese Zeit, für SEINE Zeit. Mein tief empfundenes Beileid gilt seiner Familie. Mit Tränen in den Augen und immer noch ungläubig: Adieu Monsieur Imbert, Adieu Dominique.